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Kierkegaard und der Verlust des Selbst

"Aber weil ein Mensch so phantastisch und deshalb so verzweifelt wurde, kann er doch, obgleich dies oft ans Tageslicht kommt, recht gut dahinleben, scheinbar ein Mensch sein, beschäftigt mit dem Zeitlichen, sich verheiraten, Kinder zeugen, geehrt und angesehen sein - und man merkt es vielleicht nicht, dass ihm im tieferen Sinne ein Selbst fehlt. Darüber wird in der Welt kein grosses Aufheben gemacht; denn ein Selbst ist das, wonach in der Welt am wenigsten gefragt wird, und ist das, was das Allergefährlichste ist, wenn man sich merken lässt, dass man es hat. Die grösste Gefahr, die, sich zu verlieren, kann in der Welt so ruhig vor sich gehen, als wäre es nichts. Kein Verlust kann so stille hingehen; jeder andere Verlust, ein Arm, ein Bein, fünf Reichsbanktaler, eine Hausfrau usw., ist doch zu merken."

Sören Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode
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