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Die Morgenstunden

«Die Morgenstunden haben für mich immer einen eigenen Wert gehabt. Es ist, als ob es mir Bedürfnis wäre, durch die Beschäftigung mit etwas Erhebendem, Bedeutendem in den ersten Stunden des Tages mir den Rest desselben gewissermassen zu heiligen. Ich kann mich daher nur schwer entschliessen, am frühen Morgen mein Zimmer zu verlassen, und wenn ich ohne vollgültige Ursache mich einmal dazu nötige, so habe ich für den übrigen Tag nur die Wahl zwischen gedankenloser Zerstreuung oder selbstquälerischem Trübsinn.»

Franz Grillparzer, Der arme Spielmann
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Nicht traurig und nicht froh

In der lesenswerten Erzählung "Der arme Spielmann" von Franz Grillparzer finden sich zahlreiche sehr schöne Sätze. So der folgende:

«Ich dachte auf das und jenes und war nicht traurig und nicht froh. »
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Kierkegaard und der Verlust des Selbst

"Aber weil ein Mensch so phantastisch und deshalb so verzweifelt wurde, kann er doch, obgleich dies oft ans Tageslicht kommt, recht gut dahinleben, scheinbar ein Mensch sein, beschäftigt mit dem Zeitlichen, sich verheiraten, Kinder zeugen, geehrt und angesehen sein - und man merkt es vielleicht nicht, dass ihm im tieferen Sinne ein Selbst fehlt. Darüber wird in der Welt kein grosses Aufheben gemacht; denn ein Selbst ist das, wonach in der Welt am wenigsten gefragt wird, und ist das, was das Allergefährlichste ist, wenn man sich merken lässt, dass man es hat. Die grösste Gefahr, die, sich zu verlieren, kann in der Welt so ruhig vor sich gehen, als wäre es nichts. Kein Verlust kann so stille hingehen; jeder andere Verlust, ein Arm, ein Bein, fünf Reichsbanktaler, eine Hausfrau usw., ist doch zu merken."

Sören Kierkegaard, Die Krankheit zum Tode
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Aus dem Muspilli

Den Klang von Sprache, ihren magischen Charakter, erfahren wir vielleicht am stärksten bei der Lektüre von Texten, die wir nicht verstehen. Kürzlich stiess ich auf eine Passage aus dem Muspilli, ein Text, der um 870 entstand. Das las sich dann so:

«uuar ist denne diu marha, dar man dar eo mit sinen magon piehc?
Diu marha ist farprunnan, die sela stet pidungang,
ni uueiz mit uuiu puaze, so uerit si za uuize.»

Was so viel heisst wie:

«Wo ist das Land (geblieben), um das man sich mit Hilfe seiner Verwandten stets gestritten hat? Das Land wird verbrannt sein, die Seele wird voll Trauer dastehen, nichtwissend, womit sie (noch etwas) zum Guten wenden kann; so fährt sie zur Hölle.»
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Diesen Abend

Einmal

Diesen Abend
war der Himmel blutig,
die Erinnerung an unsre Wiederkehr im Stoff.
Wir sind alle Rippe einmal.
Der Geist muss
schweigen dann und sehen.
Ein Vogel fliegt.
Er wird noch fliegen,
wenn kein Mensch
mehr ist.
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Der arme Spielmann

«Ich zitterte vor Begierde nach dem Zusammenhange.»

Franz Grillparzer, Der arme Spielmann
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Der Gedankensammler

Der Gedankensammler hatte die Angewohnheit, Gedanken, die ihm auf der Strasse, im Büro oder im Café zufielen, in leeren Gläsern zu sammeln. Die Gläser verschloss er sorgfältig und verstaute sie in einem Schrank. War der Gedankensammler bei Bekannten eingeladen, blickte er vorher immer in die Gläser, um später im Gespräch möglichst geistreich zu erscheinen. Die Zeit verging. Der Gedankensammler alterte und wurde einsam. Einzig die Gedanken in den Gläsern gaben ihm jetzt noch Trost. Oft ging er zum Schrank und sah nach, ob die Gedanken noch da waren; er glaubte, dass die Gedanken in den Gläsern immer frisch bleiben würden. Der Arzt, den man nach seinem Tod rief, entdeckte den mit Gläsern gefüllten Schrank. Er ergriff ein kleines bläulichen Glas und öffnete den Deckel. Der Inhalt war faul und stank.
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Abwesenheit

Abwesenheit als die stärkere Anwesenheit. In der Erinnerung erwachen die Dinge zu neuem, unerwartetem Leben. Was wir vergessen haben, kehrt plötzlich in grosser Klarheit zurück. Ein Weg im Wald, den man oft zu zweit ging, Gespräche in einem Garten, ein vertrautes Lachen, Augen, nach denen man sich sehnte. Alles ist wieder da, ganz nah, und doch sind wir von allem, was war, wie durch eine unsichtbare Wand getrennt. Nichts ist unwirklicher als die Erinnerung, nichts wirklicher.
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Je t'aime ... moi non plus

„This particular songs reminds me for all the weddings we had in the carribean. My dad an mom loves this song. I remember when my dad dance with my mom he closed his eyes and just move slow to the song. My uncle the same way except he dance over my aunties shoes. The were worn out. Now that I am grown I still love this song. I vividly remember they banned this song. Why? I don’t know.“

Anonym, Youtube / 7.4.2008

www.youtube.com/watch?v=sHiMDB19Dyc
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Im Ton der Unschuld

«Die Schrift antwortete im Ton der Unschuld. Drum war es schwer, sie zu lesen; drum war es leicht. Niemand erklärte das in der Verlassenheit Bestandene, die Schrift erzählte davon und es klang wie ein langes Vermissen.»

Marc Winter, Die Verzögerung
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