Der Gedankensammler
Der Gedankensammler hatte die Angewohnheit, Gedanken, die ihm auf der Strasse, im Büro oder im Café zufielen, in leeren Gläsern zu sammeln. Die Gläser verschloss er sorgfältig und verstaute sie in einem Schrank. War der Gedankensammler bei Bekannten eingeladen, blickte er vorher immer in die Gläser, um später im Gespräch möglichst geistreich zu erscheinen. Die Zeit verging. Der Gedankensammler alterte und wurde einsam. Einzig die Gedanken in den Gläsern gaben ihm jetzt noch Trost. Oft ging er zum Schrank und sah nach, ob die Gedanken noch da waren; er glaubte, dass die Gedanken in den Gläsern immer frisch bleiben würden. Der Arzt, den man nach seinem Tod rief, entdeckte den mit Gläsern gefüllten Schrank. Er ergriff ein kleines bläulichen Glas und öffnete den Deckel. Der Inhalt war faul und stank.
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