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Über Freiheit

Das Wort «Freiheit» ist nebst dem Wort «Liebe» das vielleicht am meisten abgenutzte und missbrauchte. Was wurde nicht alles im Namen von Freiheit getan, wieviele Leiden, Kriege und andere Verbrechen gerechtfertigt. Wer immer das Wort Freiheit im Mund führt, wähnt sich im Recht. Er denkt an seine Freiheit, die sich gegen eine andere Freiheit richtet, was immer er im Übrigen unter Freiheit versteht. Daher das schale Gefühl, wenn jemand unter dem Banner von Freiheit marschiert. Freiheit kann niemals eine Sache des Rechthabens sein, der rechten Denkart, der rechten politischen Gesinnung, des rechten Glaubens. Freiheit ist kein Diskursmotiv, sondern eine Chiffre, die über der Dialektik, in die sie gerne hineingezogen wird, steht. Erst in der Aufhebung der Freiheit wird ihr Wert eingelöst.

Was ist damit gemeint? Freiheit ist nicht das Gegenstück zur Notwendigkeit, sondern ein Begriff, der die Transzendenz zur Voraussetzung hat. Ohne Transzendenz gibt es keine Freiheit. Diese Transzendenz nun setzt die Freiheit in einen neuen Kontext. Es geht jetzt nicht mehr um meine Freiheit, die ich gegen die Freiheit der anderen zu verteidigen habe, sondern ich kämpfe um meine Freiheit als um mich selbst. Diese Freiheit ist der Liebe verwandt. Nur wenn ich liebe, werde ich frei sein. So verstanden ist Freiheit eine Form der Liebe oder es ist keine Freiheit.
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