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Polarlicht

Google und die Illusion der Verfügbarkeit der Welt. Früher ging man zur Büchersuche in Buchhandlungen oder stöberte stundenlang in verstaubten Antiquariaten. Die Suche hatte etwas Abenteuerliches, etwas vom Glücksspiel, man wusste nie, ob man finden würde, wonach man suchte, und oft fand man einen Schatz, den man nicht erwartet hatte. Die Suche per Mausklick verspricht zwar raschen Erfolg, doch geht das Unwägbare verloren. Wir werden nicht mehr durch unsichtbare Hand zum Buch geführt, sondern machen es uns verfügbar. Ein Buch zum ersten Mal zu erblicken, es in die Hand zu nehmen, darin zu blättern, seinen Geruch einzuatmen, die ersten Sätze zu lesen – das alles hat den Reiz einer Wirklichkeit, die kein elektronischer Raum je ersetzen wird. Daher haftet auch dem Blog das Unwirkliche, das Illusionäre an. – In diesem Zusammenhang fällt mir jener reiseunlustige Ehemann ein, der auf den Vorschlag seiner Frau, die mit ihm eine Reise in den hohen Norden unternehmen wollte, um einmal in ihrem Leben das Polarlicht zu sehen, trocken zur Antwort gab: «Wozu in die Arktis reisen? Schau dir das Polarlicht doch im Internet an.»
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