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Ethik und Atheismus

Der Philosoph Robert Spaemann äussert in einem Interview, das in der letzten Ausgabe des «Forum» erschienen ist, den Gedanken, dass die Verantwortung eines Menschen sich selbst gegenüber einen religiösen Hintergrund benötigt. Die Passage lautet:

«Während Verantwortung für andere auch auf nichtreligiöse Weise zu begründen ist, kann es Verantwortung für sich selbst nur geben auf einem religiösen Hintergrund. Denn Verantwortung ist immer Verantwortung für etwas und Verantwortung vor jemandem. Wenn ich selbst der Einzige bin, vor dem ich mich rechtfertigen muss für das, was ich mit mir selber mache, dann gibt es diese Verantwortung gar nicht. Ich kann mich ja jederzeit von ihr dispensieren. Es ist interessant, dass in den neuzeitlichen Ethiken, die nicht religiös formuliert sind, der Gedanke der Verantwortung des Menschen für sich selbst gar nicht mehr vorkommt. Man hat Verantwortung gegenüber anderen, die betroffen sind von meinem Handeln. Doch dass ich auch mit mir nicht machen kann, was ich will, dass die Begabung, die ich habe, auch eine Verpflichtung enthält, dass ich mich nicht beliebig verkommen lassen und mich nicht zu Beliebigem hergeben darf, das ist nicht religiös schwer zu begründen. Auch dieses Hindernis möchte der neue Atheismus beseitigen.»
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