Durchs letzte Tor
«Diesseits des Flusses ist es nie zum Gespräch über die blauen Gefässe gekommen. War an jenem windig feuchten Nachmittag im späten Februar, da wir die Aussprache für das nächste Wochenende „anberaumten” (ein Wort, das Dir gefiel), Deine Selbstauslöschung bereits beschlossen? Täuschtest Du Dir und uns mit den vorgebrachten Plänen für Brenner III eine Brücke zurück ins Leben vor, an die Du nicht mehr glaubtest, sobald Du uns verlassen hattest? – Gingst Du, abgekehrt vom Haus der Freunde, bewusst in die andere Richtung, weg von uns, dem Haut und Knochen druchkältenden Nordwest entgegen, der die Lichter jenseits des Moors zu flackernden Irrlichtern verzerrte? „Wie Kerzenflammen auf einem Totenacker”: Du hast es nicht gesagt – und niemand weiss, was Du gedacht hast, als Du durch das Tor gingst, durch das Du nie mehr hereinkommen würdest, erscheinend zwischen den Schlingenrosenbüschen, fahrender Fremdling, Freund und Gast, in der Brusttasche das Notizbuch, um Wörter zu sammeln für ein Werk, das offen bleibt.»
Erika Burkart, «Grundwasserstrom»
Erika Burkart, «Grundwasserstrom»
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