Abendlandschaft
«Der Blick aus dem Fenster der S-Bahn auf das Industrieviertel, die Abendlandschaft des Menschen. Im Licht der tiefen Sonne die neuen gläsernen Komplexe neben den alten abbruchreifen Farbrikhallen. Der Weg dann durch sein Quartier, das Licht der Strassenlampen unter dem dämmrigen Himmel, die eiligen Heimkehrer. Am Strassenrand die schmutzigen Reste von Schnee, die ebenfalls nicht dazu geeignet waren, heimatliche Gefühle hervorzurufen. Zuhause beim Blick in den Spiegel seine rotgeränderten Augen. Er war zu erschöpft, um froh zu sein, die nächsten Stunden dem Arbeitsgefängnis entronnen zu sein. Die meisten Abenden verbrachte er allein. Selten läutete das Telefon, das er manchmal in die Leere klingeln liess. Wenn er nachts nicht schlafen konnte, stand er auf und sah aus dem Fenster. Manchmal bewegte der Schatten eines Tiers sich durch die dunklen Gärten vor dem Haus.»
Marc Winter, «Die Verzögerung»
Marc Winter, «Die Verzögerung»
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