Ein Traum Friedrich Nietzsches
Carl Albrecht Bernoulli schildert, wie Friedrich Nietzsches in einer Gesellschaft, einen Traum erzählte: «Einmal erzählte er seiner Tischdame: “Mir hat kürzlich geträumt, meine Hand, die vor mir auf dem Tische lag, bekam plötzlich eine gläserne, durchsichtige Haut; ich sah deutlich in ihr Gebein, in ihr Gewebe, in ihr Muskelspiel hinein. Mit einem Mal sah ich eine dicke Kröte auf meiner Hand sitzen und verspürte zugleich den unwiderstehlichen Zwang, das Tier zu verschlucken. Ich überwand meinen entsetzlichen Widerwillen und würgte sie hinunter.“ Die junge Frau lachte. “Und darüber lachen Sie?“ fragte Nietzsche mit furchtbarem Ernste und hielt seine tiefen Augen halb fragend, halb traurig auf seine Nachbarin gerichtet. Da ahnte diese, wenn sie es auch nicht ganz begriff, es habe hier ein Orakel im Gleichnismunde zu ihr gesprochen und Nietzsche ihr durch eine schmale Spalte den Blick in den dunklen Abgrund seines Innern aufgetan.»
Carl Albrecht Bernoulli: Franz Overbeck und Friedrich Nietzsche. Eine Freundschaft. (Zitiert nach C.G. Jung: Symbol und Libido.)
Carl Albrecht Bernoulli: Franz Overbeck und Friedrich Nietzsche. Eine Freundschaft. (Zitiert nach C.G. Jung: Symbol und Libido.)
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