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Nach Venedig

«Wir fahren nach Venedig, um unter dem Eindruck der Schönheit über die Endlichkeit aller Dinge nachzudenken.»

Adam Zagajewski, «Das Vergrösserungsglas unseres Lebens» (NZZ vom 28.07.07)
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Natur und Gott

Die Begründung der Natur aus Gott ist ein Irrtum. Die moderne Naturwissenschaft zeigt uns heute, dass die Natur keinen Gott braucht, der sie erdachte, auch nicht als Prinzip hinter allem. Es gibt keinen Geist, der das Schicksal des Universums steuert. Unsere Welt, die Erde, das Sonnensystem, der Kosmos überhaupt entstand aus einer langen Reihe von Zufällen, Gott als «Schöpfer» ist überflüssig. Der Gedanke einer durch göttlichen Willen wohleingerichteten Welt ist Unsinn. Im Lauf der Evolution sind Milliarden von Arten ausgestorben. Die Natur ist dem Menschen gegenüber kalt, es ist ihr gleichgültig, ob ein Mensch oder ein Tier stirbt, ob sich Sonnen bilden, explodieren oder zu Weissen Zwergen schrumpfen. Unser Universum wird sich immer weiter ausdehnen und dabei erkalten. Alles Licht wird erlöschen, am Ende wird selbst die Materie in diesem riesigen galaktischen Friedhofs zerfallen. Nichts mehr wird existieren. Kann das die Absicht eines gütigen Gottes sein?
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Im Garten des Nachbarn

Die Sonnenblumen im Garten des Nachbarn sind während unserer Abwesenheit in die Höhe geschossen, schon bilden sich die grossen Blütenköpfe. Auch die Rosen blühen, lila und hellrot, ebenso blüht der violette Sommerflieder. Und eine weitere Farbe ist sichtbar geworden: das Blau reifender Zwetschgen. Und eben entdecke ich die leuchtend roten Dahlien ...
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Worte

Worte verbinden uns mit den Menschen, gesagte und ungesagte.
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The doctor's wife

Im lesenswerten Roman «The doctor‘s wife» des gebürtigen Iren Brian Moore (1921-1999), der den Ausbruch einer Frau mittleren Alters aus ihrem bisherigen Leben schildert, findet sich gegen Ende ein Gespräch zwischen der Protagonistin und einem Priester über den Glauben. Die Frau hat zu diesem Zeitpunkt nicht nur ihren Mann und ihr Kind verlassen, sondern auch ihren Geliebten, dem sie trotz ihrer Liebe nicht nach Amerika gefolgt ist. Sie bleibt allein in Paris zurück, wo sie den Priester aufsucht. Nachdem sie ihm erzählt hat, was geschehen ist, nimmt der Dialog in der Kathedrale von Notre-Dame folgenden Verlauf:

The priest looked at her left hand. «Have you left your husband?»
«Yes, I have.»
The priest separated his hands, turning the palms down on the ledger. «I see. And now you are going to start a new life?»
«Yes.»
«I remember the last time we talked,» the priest said. «You said then that your are not religious.»
«Yes.»
The priest looked beyond the pool of light, out into the darkness of the nave. «You do not believe in God?»
«I did once. But I don‘t now.»
«Why not, Madame?»
«Because it doesn‘t make sense. You can‘t go on believing, once you think the idea of God is ridiculous.»
The priest smiled, showing the gap between his teeth.
«I can,» he said. «And I do.»
She looked at him trough swollen eyelids. «That‘s a funny thing for a priest to say.»
«I know,» the priest said. «It doesn‘t make sense. But believing in God is like being in love. You don‘t to have reasons, or proofs, or justifications. You are in love, voilà tout. You know it.»
The woman began to weep.
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An Feuer entzündest du Feuer

Bei Symeon dem Neuen Theologen (970-1040) lesen wir Worte, die uns durch ihre Unkonventionalität wieder einmal vor Augen führen, was Sprache im Grunde vermag:

«Meine Zunge entbehrt der Worte, und was in mir geschieht, sieht mein Geist wohl, aber er erklärt es nicht. Er schaut das Unsichtbare, das aller Gestalt Ledige, durchaus Einfache, nicht Zusammengesetzte, und an Grösse Unendliche. Denn er erblickt keinen Anfang, und kein Ende schaut er, und ist gänzlich keiner Mitte bewusst, und weiss nicht, wie er das sagen soll, was er sieht. Etwas Ganzes erscheint, wie ich meine, und nicht mit dem Wesen selbst, sondern durch eine Teilnahme. Denn an Feuer entzündest du Feuer und das ganze Feuer empfängst du: jenes aber bleibt ungemindert und ungeteilt wie vordem. Gleichwohl sondert sich, was mitgeteilt wird, von dem Ersten; und als ein Körperhaftes geht es in mehrere Leuchten ein. Jenes aber ist ein Geistiges, unermesslich, untrennbar und unerschöpflich. Denn nicht schneidet es sich, wenn es sich hingibt, in viele, sondern verharrt ungeteilt, und ist in mir, und geht drinnen in meinem armen Herzen auf wie eine Sonne oder runde Sonnenscheibe, dem Lichte ähnlich, denn es ist ein Licht.»
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Ein Traum Friedrich Nietzsches

Carl Albrecht Bernoulli schildert, wie Friedrich Nietzsches in einer Gesellschaft, einen Traum erzählte: «Einmal erzählte er seiner Tischdame: “Mir hat kürzlich geträumt, meine Hand, die vor mir auf dem Tische lag, bekam plötzlich eine gläserne, durchsichtige Haut; ich sah deutlich in ihr Gebein, in ihr Gewebe, in ihr Muskelspiel hinein. Mit einem Mal sah ich eine dicke Kröte auf meiner Hand sitzen und verspürte zugleich den unwiderstehlichen Zwang, das Tier zu verschlucken. Ich überwand meinen entsetzlichen Widerwillen und würgte sie hinunter.“ Die junge Frau lachte. “Und darüber lachen Sie?“ fragte Nietzsche mit furchtbarem Ernste und hielt seine tiefen Augen halb fragend, halb traurig auf seine Nachbarin gerichtet. Da ahnte diese, wenn sie es auch nicht ganz begriff, es habe hier ein Orakel im Gleichnismunde zu ihr gesprochen und Nietzsche ihr durch eine schmale Spalte den Blick in den dunklen Abgrund seines Innern aufgetan.»

Carl Albrecht Bernoulli: Franz Overbeck und Friedrich Nietzsche. Eine Freundschaft. (Zitiert nach C.G. Jung: Symbol und Libido.)
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If this is coffee

«Look here, steward, if this is coffee, I want tea; but if this is tea, then I wish for coffee.»

Wandaufschrift im Mill Court Coffee Shop im Städtchen Donegal (Irland).
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Irisches Sprichwort

«Both your friends an your enemy think that you will never die.»
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