Das Erscheinen der Christine Brahe
Rainer Maria Rilke schildert in «Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge» das Erscheinen der toten Christine Brahe, einer Person, die «das Recht hat, hier zu sein», wie der Grossvater Maltes einmal bemerkt. Man sitzt gerade zu Tisch, als eine Tür aufgeht und das Unheimliche geschieht.
«In demselben Augenblick wandten sich meine Blicke unwillkürlich nach der gewissen Türe, und wirklich: Christine Brahe trat ein. Mein Nachbar, der Major, machte eine heftige, kurze Bewegung, die sich in meinen Körper fortpflanzte, aber er hatte offenbar keine Kraft mehr, sich zu erheben. Sein braunes, altes, fleckiges Gesicht wendete sich von einem zum andern, sein Mund stand offen, und die Zunge wand sich hinter den verdorbenen Zähnen; dann auf einmal war dieses Gesicht fort, sein grauer Kopf lag auf dem Tische, und seine Arme lagen in Stücken darüber und darunter, und irgendwo kam eine welke, fleckige Hand hervor und bebte.
Und nun ging Christine Brahe vorbei, Schritt für Schritt, langsam wie eine Kranke, durch unbeschreibliche Stille, in die nur ein einziger wimmernden Laut hineinklang wie eines alten Hundes. Aber da schob sich links von dem grossen silbernen Schwan, der mit Narzissen gefüllt war, die grosse Maske des Alten hervor mit ihrem grauen Lächeln. Er hob sein Weinglas meinem Vater zu. Und nun sah ich, wie mein Vater, gerade als Christine Brahe hinter seinem Sessel vorüberkam, nach seinem Glase griff und es wie etwas sehr Schweres eine Handbreit über den Tisch hob. Und noch in dieser Nacht reisten wir.»
«In demselben Augenblick wandten sich meine Blicke unwillkürlich nach der gewissen Türe, und wirklich: Christine Brahe trat ein. Mein Nachbar, der Major, machte eine heftige, kurze Bewegung, die sich in meinen Körper fortpflanzte, aber er hatte offenbar keine Kraft mehr, sich zu erheben. Sein braunes, altes, fleckiges Gesicht wendete sich von einem zum andern, sein Mund stand offen, und die Zunge wand sich hinter den verdorbenen Zähnen; dann auf einmal war dieses Gesicht fort, sein grauer Kopf lag auf dem Tische, und seine Arme lagen in Stücken darüber und darunter, und irgendwo kam eine welke, fleckige Hand hervor und bebte.
Und nun ging Christine Brahe vorbei, Schritt für Schritt, langsam wie eine Kranke, durch unbeschreibliche Stille, in die nur ein einziger wimmernden Laut hineinklang wie eines alten Hundes. Aber da schob sich links von dem grossen silbernen Schwan, der mit Narzissen gefüllt war, die grosse Maske des Alten hervor mit ihrem grauen Lächeln. Er hob sein Weinglas meinem Vater zu. Und nun sah ich, wie mein Vater, gerade als Christine Brahe hinter seinem Sessel vorüberkam, nach seinem Glase griff und es wie etwas sehr Schweres eine Handbreit über den Tisch hob. Und noch in dieser Nacht reisten wir.»
Kommentare
Einen Kommentar hinzufügen
Dieser Blog unterstützt gravatare.
Die Email Adresse wird nie veröffentlicht.
Kommentarspam wird gelöscht!