Das verlorene Gesicht
Auf der ersten Blick scheint dieses Gesicht ganz bei sich zu sein. Es ist aber – bei näherer Betrachtung – ein in seiner Einsamkeit sehr unruhig gewordenes Gesicht, das sich am Rande der bewohnbaren Welt bewegt. Es führt Selbstgespräche und verirrt sich leicht, denn es fehlen ihm alle äusseren Bezugspunkte. Das zeigt sich insbesondere daran, dass das Gesicht gar nicht mehr zu wissen scheint, wie es auf seine Umgebung wirkt. Würde man das Gesicht ansprechen, es wäre zu Tode erschrocken; es kann sich nicht vorstellen, dass Worte es jemals wieder meinen könnten. Unter seiner Einsamkeit verbirgt sich eine irreal gewordene Lebendigkeit, die sich an etwas weit Zurückliegendes erinnert. So existiert das Gesicht in einem tiefen Widerspruch zu sich selbst. Es vermisst niemanden mehr und trotzdem scheint es irgendwo im Hintergrund an der Erschaffung des fehlenden Gegenübers – des vermissten Augenpaars – zu arbeiten. Es ist eine lange Arbeit, die niemand versteht, der dieses Gesicht nicht selbst einmal trug (und wer es trug, vergisst es nicht). Und auch wenn dem Gesicht die Schöpfung jetzt nicht gelingt, einmal wird sie ihm gelingen. Gelingt dann auch die Schöpfung am Gesicht?
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