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Wahrspruch

Auf Schloss Kerjean in der Bretagne las ich letztes Jahr den bedenkenswerten Wahrspruch eines früheren Besitzers: «Il est temps. Il sera temps.»
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Wakefield

Nathaniel Hawthorne berichtet uns über Wakefield, einen Londoner Bürger des vorletzten Jahrhunderts. Dieser verlässt seine Frau unter dem Vorwand geschäftlich verreisen zu müssen. In Wirklichkeit mietet er sich eine Strasse weiter in eine kleine Wohnung ein, wo er die nächsten zwanzig Jahre unerkannt von seiner früheren Umgebung lebt. In dieser Zeit beobachtet er täglich sein Haus, wo seine Frau lebt, die ihn verschollen, dann tot glaubt. Einmal, nach Jahren, begegnet er ihr sogar auf der Strasse und obwohl sie ihn anblickt, erkennt sie ihn nicht mehr, was Wakefield verstört. So weit hat er sich also schon von seinem alten Leben entfernt. Wakefield könnte nicht sagen, warum er seine Frau verlassen hat, warum er dieses Leben in der Einsamkeit überhaupt gewählt hat, aber niemand fragt ihn. Die Phantasie aber, in sein Heim zurückzukehren, begleitet ihn durch all die Jahre, und einmal an einem regnerischen Abend, da er im Dunkeln auf die erleuchteten Fenster seines Hauses starrt, gibt er seiner geheimen Sehnsucht nach. Er steigt die Treppe hinauf und tritt bei sich ein.
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Niemand?

Das Ticken der Uhr in einem Zimmer, in dem niemand sich aufhält. Wer bist du, dass du davon erzählen kannst?
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Zu dir

Es geht nie weiter als bis zu dir selbst. Da wo du bist. Es wird zu deiner Schrift. Der Rest ist Illusion, Flucht, Unwirklichkeit.
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Etwas fehlt

Sie suchen etwas; denn etwas fehlt. Sie finden es nicht. Nicht hier; nicht später. Niemand kann es ihnen geben.
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Drei Münzen

Es ist Jahre her. Ein Mann, den ich nie zuvor gesehen hatte, kam in meine Wohnung und gab mir eine goldene Kugel. Sie enthielt drei Münzen. Der Mann sagte: «Für die verbrannten Städte.»
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Wer mich sieht

Ich kenne ihn seit langem, er ging auf die gleiche Schule wie ich. Wir waren nie Freunde, kannten uns mehr vom Sehen. Nach der Schule verlor ich ihn aus den Augen. Es hiess, er sei seltsam geworden, lebe allein. Ich wusste nichts Genaues, nur dass er schon während der Schulzeit zu den Merkwürdigen gehört hatte. Einmal begegnete ich ihm dann in einer städtischen Bibliothek. Er erkannte mich sofort, kam auf mich zu und sagte: «Wer mich sieht, muss sterben.»
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Stillers Metaphysik

Stiller ist ein moderner Charakter, das Lyrische vieler Figuren aus der Literatur vor dem Zweiten Weltkrieg findet man bei ihm nicht. Zwar finden sich noch Anklänge, aber sie stören nicht. Der Roman steht Henry Millers «Wendekreis des Krebses», der schon zur Nachkriegsliteratur zählt, näher als Thomas Manns «Zauberberg» oder «Dr. Faustus». Stiller geht durch sich hindurch wie durch eine Mauer; hinter der Mauer kann er sich vor lauter Nähe nicht mehr sehen, kann er nichts mehr wissen, er ist aber da. Nun kann die Seelenarbeit beginnen. Diese verrichtet Stiller gründlich. Zurück in die Welt wird er erst gehen, wenn seine Frau gestorben ist. Ein lyrisches Moment.
Stiller wird gezwungen, den Weg vom Ich zum Du zu gehen; dieses Du ist ein geistiges. Es wird für Stiller in der Ausgesetztheit wirklich, im Alleinsein. Er kann sich nicht länger über die Menschen definieren, die ihn umgeben. Erst so verliert Stiller seine Angst vor sich und damit vor den anderen. Später (es bleibt der Phantasie des Lesers überlassen) wird er in die Welt zurückkehren, vorerst bleibt er allein in Glion zurück. Seine neue Freiheit des Alleinseins ist paradoxerweise eine ans Du gebundene, sie wird erst wirklich im Gegenüber einer «Instanz vor menschlicher Deutung». Die in den Roman eingeflochtene Auseinandersetzung mit Kierkegaard wird eingelöst.
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Der Zirkel der Mächtigen

Der Zirkel der Mächtigen: wir schauen dem kalten Treiben in seinem Innern zu und wissen nicht warum. Es gibt keinen Grund dazu ausser dass wir Angst haben.
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Das leere Zimmer

Heute Nachmittag wurde im Pflegeheim, das von meinem Bürofenster aus gut einzusehen ist, das Zimmer einer alten Frau geräumt. Ich sah sie manchmal am Fenster sitzen. Arbeiter entfernten die Vorhänge, die Möbel, die Bilder. Zuletzt nahmen sie das grosse Kreuz von der Wand; es wird nun nicht mehr gebraucht. Die Arbeit war schnell getan, am Abend brannte kein Licht mehr im Zimmer.
Wohin gehen wir? Wir kehren zurück, werden wieder zu dem, was wir waren, bevor wir wurden. Etwas wird ganz. Dies bedenkend, verliess ich mein Büro.
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