Der Mythos Mann
«Der Mythos vom Mythos» ging es mir bei der Lektüre von Allan Guggenbühls Buch «Männer Mythen Mächte» durch den Kopf. Die These des Autors: Die Frauen denken in psychologischen Bildern, der Mann vorwiegend in mythischen d.h. er suche in seinem Tun den Anschluss an die übergeordnete Geschichte eines Berufs, einer Bewegung, einer Idee. Der Ansatz befriedigt nicht. Mag ja sein, dass Männer sich von Technik, Politik, Wissenschaft im allgemeinen stärker angezogen fühlen als Frauen, aber lässt sich aus einer solchen Anziehung schon das «mythische Denken» des Mannes als Gesetz ableiten? Bekanntlich gibt es auch viele Frauen, die sich für eine übergeordnete Idee, die Politik, die Wissenschaft einsetzen. Die Mythen, von denen Guggenbühl spricht, können Männer und Frauen gleichermassen anziehen. Was man dem Autor bezüglich seiner Analyse der Geschlechteridentität und -beziehung vorwerfen muss, ist ein Mangel an Einsicht in Reifungsprozesse, und, vom philosophischen Standpunkt aus gesehen, das Fehlen einer erweiterten Optik, den Einbezug der grundlegenden Bedingung des Menschseins. Das Problem der Kontigenz des Menschen zum Beispiel und dessen Folgen für die Beziehung der Geschlechter wird mit keinem Wort erwähnt. Während der Lektüre des Buches hatte ich ständig das Gefühl, dass der Autor den Dingen nicht wirklich auf den Grund geht; seine Darlegungen bleiben weitgehend im Rahmen einer eher oberflächlichen psychologischen Phänomenologie.
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