[ General ]
by auroraconsurgens
@ 25.02.2007 14:24 CEST
"Glauben Sie mir, wer in dem Augenblick suchen muss, wo er braucht, findet schwer. Wenn man hingegen eine Zeit sorglos leben kann, finden sich die Lagen von selbst."
Wilhelm von Humboldt, 3. November 1814 (in: "Briefe an eine Freundin")
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 17.02.2007 12:13 CEST
«Wenn DU dich verwandelst, verwandelt sich die Welt.»
Ludwig Hohl, «Die Notizen oder Von der unvoreiligen Versöhnung».
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 17.02.2007 12:11 CEST
«Der Mythos vom Mythos» ging es mir bei der Lektüre von Allan Guggenbühls Buch «Männer Mythen Mächte» durch den Kopf. Die These des Autors: Die Frauen denken in psychologischen Bildern, der Mann vorwiegend in mythischen d.h. er suche in seinem Tun den Anschluss an die übergeordnete Geschichte eines Berufs, einer Bewegung, einer Idee. Der Ansatz befriedigt nicht. Mag ja sein, dass Männer sich von Technik, Politik, Wissenschaft im allgemeinen stärker angezogen fühlen als Frauen, aber lässt sich aus einer solchen Anziehung schon das «mythische Denken» des Mannes als Gesetz ableiten? Bekanntlich gibt es auch viele Frauen, die sich für eine übergeordnete Idee, die Politik, die Wissenschaft einsetzen. Die Mythen, von denen Guggenbühl spricht, können Männer und Frauen gleichermassen anziehen. Was man dem Autor bezüglich seiner Analyse der Geschlechteridentität und -beziehung vorwerfen muss, ist ein Mangel an Einsicht in Reifungsprozesse, und, vom philosophischen Standpunkt aus gesehen, das Fehlen einer erweiterten Optik, den Einbezug der grundlegenden Bedingung des Menschseins. Das Problem der Kontigenz des Menschen zum Beispiel und dessen Folgen für die Beziehung der Geschlechter wird mit keinem Wort erwähnt. Während der Lektüre des Buches hatte ich ständig das Gefühl, dass der Autor den Dingen nicht wirklich auf den Grund geht; seine Darlegungen bleiben weitgehend im Rahmen einer eher oberflächlichen psychologischen Phänomenologie.
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 13.02.2007 00:47 CEST
Der Traum führt uns in entlegene Gegenden, unsere frühste Provinz, wo andere Gesetze gelten als bei wachem Bewusstsein. Die Kohärenz löst sich auf zugunsten des Stroms der Bilder. Götter wohnen da, ohne Zahl erscheinen Masken, Figuren, Tiere. Wir sind auf dem Theater der Seele, wo nichts auf Anhieb einen Sinn ergibt, alles nach den geheimen Gesetzen der Wandlung sich ereignet. Was uns erscheint, sind unsere eigenen Teile in fremder Gestalt. Nacht für Nacht werden wir zu Zeugen der eigenen Verwandlung. Die grünen Keime, ungeheuer stark, werden lebendig.
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 13.02.2007 00:25 CEST
Die Klärung des Bewusstseins geht einher mit einem Genügen an den einfachen Dingen, den einfachen Handlungen. Die Zubereitung einer Mahlzeit, der Wind in den Bäumen, das Schreiben eines Briefes enthält für dieses Bewusstsein mehr Wahrheit als sämtliche Debatten, Diskurse, Diskussionen, Theorien der akademischen Intelligenz, die es nur mehr langweilen. Die Dinge werden diesem Bewusstsein wieder zu Dingen: so Kind, Tag, Blume, Wind, Haus, Sonne, Mond, Baum, Himmel. Diese Dinge versteht es, liebt es noch. Das mediale Rauschen verebbt, irgendwo am Rand des Bewusstseins existiert es zwar noch, fernes Echo einer verirrten Zeit.
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 10.02.2007 01:11 CEST
«Si l'on descend en soi-même, on trouve qu'on possède exactement ce qu'on désire.»
Simone Weil, La pesanteur et la grâce
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 10.02.2007 00:53 CEST
Ihre Dinge sind wichtig, ihre Ansichten richtig. Wenn sie spricht, ist es, als ob sie permanent an etwas vorbeiredet. Enervierend detailliert erzählt sie von ihren Erlebnissen und meint nur sich selbst. Sie weiss, wie die Dinge liegen, sie hat eine Ansicht, eine Meinung. Zu allem. Ich habe nie gehört, dass sie sagte: «Ich weiss nicht …» Oder: «Ja, es könnte sich auch so verhalten …» Vor allem in menschlichen Belangen weiss sie Bescheid, obgleich es da eigentlich nichts zu wissen gäbe – gerade in menschlichen Dingen nicht. Für sie gibt es auch hier Gesetze, die immer und für alle zu gelten haben. Da lässt sie nichts gelten. Etwas Unechtes geht von ihr aus, das empfindsame Naturen, die sich instinktiv vor ihr hüten, sogleich registrieren. Mag sein, dass unaufmerksame Charaktere ihre Worte für bare Münze nehmen. Eigentlich sucht sie in allem, was sie sagt, eine Bestätigung für ihre rigiden moralischen Ansichten, denn so sicher, wie sie tut, ist sie eben doch nicht. Nein, sie ist nicht glücklich, so sehr sie das Image der Glücklichen auch pflegt. Auch was sie von ihrer glücklichen Ehe erzählt, klingt wenig glaubhaft. Zu oft drängt da ihr unbewusster Eros ans Licht, wird ihre unterdrückte Sehnsucht nach bedingungsloser Hingabe spürbar. Die Passion des Nichtwissens, des Fragens, der Unterordnung, des Scheiterns – sie liegt noch vor ihr.
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 10.02.2007 00:48 CEST
Wenn du den anderen des Liebesverrats bezichtigst, hast du dich dann nicht schon längst selber verraten? Etwas stimmte schon lange nicht mehr, du wolltest es nicht wahrhaben. Du wolltest weitermachen wie bis anhin und hast nicht gemerkt, dass du den anderen damit immer weiter von dir wegtriebst. Nun, da er weggegangen ist, bist du allein mit deinem Schmerz, deiner Verachtung für ihn. Er soll schuld sein an deinem Unglück. Ist es nicht so? Warum hast du die Zeichen nicht bemerkt, warum hast du dich so krampfhaft an ihn geklammert? Er war doch längst ein anderer geworden, während du dich vor der kleinsten Veränderung gefürchtet hast. Du hast eure Liebe deiner Vorstellung von ihr geopfert, hast dich selbst verraten. Ist es nicht so?
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 07.02.2007 17:58 CEST
«La vulnerabilité des choses précieuses est belle parce que la vulnerabilité est une marque d'existence.»
Simone Weil, La pesanteur et la grâce
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 07.02.2007 17:38 CEST
Da geht sie, eilig, den dunklen Weg vorbei am Haus. Ich kenne sie vom Sehen, sie wohnt irgendwo in der Nachbarschaft. Kehrt sie zu ihrer Familie nach Hause zurück, zu ihren Kindern, die vielleicht gerade an ihren Hausaufgaben sitzen? Vielleicht. Vielleicht aber wartet da auch einfach jener Mann auf sie, den sie vor einigen Jahren geheiratet hat. Oder wohnt sie vielleicht mit ihrer alten Mutter zusammen, die langsam gebrechlich wird? Oder mit ihrer Freundin? Auch das ist möglich. Möglich auch, dass niemand sie erwartet, nicht einmal ein anhängliches Haustier, nur ihre stille Wohnung, wo sie seit Jahren alleine lebt. Wozu dann die Eile? Alles ist möglich.