BlogBilderÜber michKontakt

Aus dem Muspilli

Den Klang von Sprache, ihren magischen Charakter, erfahren wir vielleicht am stärksten bei der Lektüre von Texten, die wir nicht verstehen. Kürzlich stiess ich auf eine Passage aus dem Muspilli, ein Text, der um 870 entstand. Das las sich dann so:

«uuar ist denne diu marha, dar man dar eo mit sinen magon piehc?
Diu marha ist farprunnan, die sela stet pidungang,
ni uueiz mit uuiu puaze, so uerit si za uuize.»

Was so viel heisst wie:

«Wo ist das Land (geblieben), um das man sich mit Hilfe seiner Verwandten stets gestritten hat? Das Land wird verbrannt sein, die Seele wird voll Trauer dastehen, nichtwissend, womit sie (noch etwas) zum Guten wenden kann; so fährt sie zur Hölle.»
Kommentare (0)  Permalink

Diesen Abend

Einmal

Diesen Abend
war der Himmel blutig,
die Erinnerung an unsre Wiederkehr im Stoff.
Wir sind alle Rippe einmal.
Der Geist muss
schweigen dann und sehen.
Ein Vogel fliegt.
Er wird noch fliegen,
wenn kein Mensch
mehr ist.
Kommentare (0)  Permalink

Der arme Spielmann

«Ich zitterte vor Begierde nach dem Zusammenhange.»

Franz Grillparzer, Der arme Spielmann
Kommentare (0)  Permalink

Der Gedankensammler

Der Gedankensammler hatte die Angewohnheit, Gedanken, die ihm auf der Strasse, im Büro oder im Café zufielen, in leeren Gläsern zu sammeln. Die Gläser verschloss er sorgfältig und verstaute sie in einem Schrank. War der Gedankensammler bei Bekannten eingeladen, blickte er vorher immer in die Gläser, um später im Gespräch möglichst geistreich zu erscheinen. Die Zeit verging. Der Gedankensammler alterte und wurde einsam. Einzig die Gedanken in den Gläsern gaben ihm jetzt noch Trost. Oft ging er zum Schrank und sah nach, ob die Gedanken noch da waren; er glaubte, dass die Gedanken in den Gläsern immer frisch bleiben würden. Der Arzt, den man nach seinem Tod rief, entdeckte den mit Gläsern gefüllten Schrank. Er ergriff ein kleines bläulichen Glas und öffnete den Deckel. Der Inhalt war faul und stank.
Kommentare (0)  Permalink

Abwesenheit

Abwesenheit als die stärkere Anwesenheit. In der Erinnerung erwachen die Dinge zu neuem, unerwartetem Leben. Was wir vergessen haben, kehrt plötzlich in grosser Klarheit zurück. Ein Weg im Wald, den man oft zu zweit ging, Gespräche in einem Garten, ein vertrautes Lachen, Augen, nach denen man sich sehnte. Alles ist wieder da, ganz nah, und doch sind wir von allem, was war, wie durch eine unsichtbare Wand getrennt. Nichts ist unwirklicher als die Erinnerung, nichts wirklicher.
Kommentare (0)  Permalink

Je t'aime ... moi non plus

„This particular songs reminds me for all the weddings we had in the carribean. My dad an mom loves this song. I remember when my dad dance with my mom he closed his eyes and just move slow to the song. My uncle the same way except he dance over my aunties shoes. The were worn out. Now that I am grown I still love this song. I vividly remember they banned this song. Why? I don’t know.“

Anonym, Youtube / 7.4.2008

www.youtube.com/watch?v=sHiMDB19Dyc
Kommentare (0)  Permalink

Im Ton der Unschuld

«Die Schrift antwortete im Ton der Unschuld. Drum war es schwer, sie zu lesen; drum war es leicht. Niemand erklärte das in der Verlassenheit Bestandene, die Schrift erzählte davon und es klang wie ein langes Vermissen.»

Marc Winter, Die Verzögerung
Kommentare (0)  Permalink

Erinnerungen

«Erinnerungen waren von fragilem, höchst störbarem Charakter. Schon kleinste atmosphärische Schwankungen liessen sie wieder in den scheinbar ortlosen Bezirken des Gedächtnisses verschwinden. Der grösste Teil des Gewesenen schien sich der bewusst gewollten Wiederholung tatsächlich zu entziehen. Umso mehr formte es die persönliche Erscheinung und individuelle Gestalt. Manchmal trat das Gewesene mit aller Schärfe ins Licht des deutenden Bewusstseins. Mit der ihr eigenen unfehlbaren Freiheit tauchten die Dinge aus dem Schlaf ihrer Sichtbarkeit auf.»

Marc Winter, Die Verzögerung
Kommentare (0)  Permalink

Bin ich ich

«Bin ich ich, weil ich ich bin, und du bist du, weil du du bist, dann bin ich ich und du bist du. Bin ich hingegen ich, weil du du bist, und du bist du, weil ich ich bin, dann bin ich nicht ich und du bist nicht du.»

Martin Buber, Die Erzählungen der Chassidim
Kommentare (0)  Permalink

Es ist nicht so

Es ist nicht so, dass es den Menschen nicht mehr gibt (so Adorno). Es hat den Menschen nie gegeben.
Kommentare (0)  Permalink
Next1-10/253