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Sommerphantasie

Er sass draussen im Garten und hörte zu, wie sie im Haus auf dem Klavier phantasierte. Es war später Nachmittag und das Licht im Garten sanft. Die Klänge verführten ihn zu einer Leichtigkeit, die er lange nicht erlebt hatte. Wie schön, dachte er, ist doch ihre Musik, so wunderbar unvollkommen. Vollkommen schien allein das Licht in den Bäumen.
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Das Dritte Reich

"Das Dritte Reich" von Roberto Bolano. Das Buch strahlt wie radioaktive Materie. Es ist nicht klar, was geschieht - das macht den Text so unheimlich. Der Protagonist handelt (spielt das Spiel) in Unkenntnis seiner Lage, die möglicherweise fürchterlich ist. Es könnte die Lage von uns allen sein.
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Der grosse Morgen

Zum neuen Jahr ein Haiku von Onitsura:

"Der grosse Morgen -
Winde aus alten Zeiten
wehn durch die Kiefer."
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Warnung

"Wer an meinem Begräbnis weint, mit dem werde ich nie wieder ein Wort sprechen."

Stan Laurel
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Rote Bohnen

Ein Gedicht von Wang Wei (699 - 759):

Im Süden

Rote Bohnen pflück,
seit dem Frühling schon
wachsen sie bei dir.
Pflück nur viel davon!
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Gespenster

Wenn man Gespenster sieht, wird das Leben spannender.
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Sie und Er

Eine klare Nacht. Man sieht die Sterne.
Sie: Wissen Sie, warum ich die Sterne liebe?
Er: Nein, warum?
Sie: Weil sie unerreichbar sind.
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Literatur als Tätowierung

"Das Tätowieren war ursprünglich eine hieratische Kunst. Wenn sich Dichter ihre Verse, oder auch nur ihre Urbilder ins eigene Fleisch schneiden müssten, würde wohl weniger produziert werden. Andererseits würden sie den ursprünglichen Sinn der Publikation als eine Form der Selbstentblössung weniger umgehen können. Auch würden mache Lyriker - ich will keine Namen nennen - durch Vorzeigen ihrer Menschlichkeiten völlig entlarvt dastehen. Item: man sollte darauf achten, ob Bücher gekleckst oder tätowiert sind. Und ob die Schönheit an den Kleidern hängt oder im Fleische brennt."

Hugo Ball, Die Flucht aus der Zeit (4.11.1915)
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Sie und Er

Sie: Ich denke viel über die Liebe nach.
Er: Und?
Sie: Ich komme zu keinem Schluss. Die Liebe scheint etwas Vor-Theoretisches (*) zu sein. Ich sehe mit deinen Augen - so würde ich sagen, wenn ich sagen sollte, was die Liebe ist.
Er: Ich sehe mit Ihren Augen.

(*) Undine Gruenter, Der Autor als Souffleur
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Segel

Die gekippten offenen Sonnenschirme heute früh auf der Terrasse des Kunsthauscafés. In der Morgensonne erinnerten sie an weiss leuchtende Segel.
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