[ General ]
by auroraconsurgens
@ 24.01.2012 11:11 CET
Er sass draussen im Garten und hörte zu, wie sie im Haus auf dem Klavier phantasierte. Es war später Nachmittag und das Licht im Garten sanft. Die Klänge verführten ihn zu einer Leichtigkeit, die er lange nicht erlebt hatte. Wie schön, dachte er, ist doch ihre Musik, so wunderbar unvollkommen. Vollkommen schien allein das Licht in den Bäumen.
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 18.01.2012 16:15 CET
"Das Dritte Reich" von Roberto Bolano. Das Buch strahlt wie radioaktive Materie. Es ist nicht klar, was geschieht - das macht den Text so unheimlich. Der Protagonist handelt (spielt das Spiel) in Unkenntnis seiner Lage, die möglicherweise fürchterlich ist. Es könnte die Lage von uns allen sein.
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 02.01.2012 12:37 CET
Zum neuen Jahr ein Haiku von Onitsura:
"Der grosse Morgen -
Winde aus alten Zeiten
wehn durch die Kiefer."
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 29.12.2011 13:13 CET
"Wer an meinem Begräbnis weint, mit dem werde ich nie wieder ein Wort sprechen."
Stan Laurel
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 13.12.2011 18:35 CET
Ein Gedicht von Wang Wei (699 - 759):
Im Süden
Rote Bohnen pflück,
seit dem Frühling schon
wachsen sie bei dir.
Pflück nur viel davon!
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 10.11.2011 12:21 CET
Wenn man Gespenster sieht, wird das Leben spannender.
Eine klare Nacht. Man sieht die Sterne.
Sie: Wissen Sie, warum ich die Sterne liebe?
Er: Nein, warum?
Sie: Weil sie unerreichbar sind.
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 26.10.2011 17:03 CET
"Das Tätowieren war ursprünglich eine hieratische Kunst. Wenn sich Dichter ihre Verse, oder auch nur ihre Urbilder ins eigene Fleisch schneiden müssten, würde wohl weniger produziert werden. Andererseits würden sie den ursprünglichen Sinn der Publikation als eine Form der Selbstentblössung weniger umgehen können. Auch würden mache Lyriker - ich will keine Namen nennen - durch Vorzeigen ihrer Menschlichkeiten völlig entlarvt dastehen. Item: man sollte darauf achten, ob Bücher gekleckst oder tätowiert sind. Und ob die Schönheit an den Kleidern hängt oder im Fleische brennt."
Hugo Ball, Die Flucht aus der Zeit (4.11.1915)
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 26.10.2011 16:55 CET
Sie: Ich denke viel über die Liebe nach.
Er: Und?
Sie: Ich komme zu keinem Schluss. Die Liebe scheint etwas Vor-Theoretisches (*) zu sein. Ich sehe mit deinen Augen - so würde ich sagen, wenn ich sagen sollte, was die Liebe ist.
Er: Ich sehe mit Ihren Augen.
(*) Undine Gruenter, Der Autor als Souffleur
[ General ]
by auroraconsurgens
@ 18.10.2011 14:24 CET
Die gekippten offenen Sonnenschirme heute früh auf der Terrasse des Kunsthauscafés. In der Morgensonne erinnerten sie an weiss leuchtende Segel.